Warum Dalmatiner?

Seit 1994 sind wir Hundehalter und hatten immer einen oder zwei Neufundländerrüden. Dann kam der Wunsch nach einem Hund auf, der auch mal mit joggen geht oder neben dem Fahrrad her läuft. Dazu aber auch Eigenschaften eines Neufundländers in hat. Gut, ein Dalmatiner hat ein ganz anderes Fell und der Bewegungsdrang ist größer, aber trotzdem passen die beiden Rassen gut zu einander.

 

Beeindruckend beim Dalmatiner sind Charme, Eleganz und das Wesen: Liebevoll, einfühlsam, intelligent, humorvoll. Und Dalmatiner sind verfressen.

Zu Herkunft und Aussehen von Dalmatinern möchte ich nichts schreiben. Das wird auf anderen Seiten oder in Büchern ausführlich beschrieben.

 

 

Warum sollen Sie einen Hund bei einem VDH Züchter kaufen, wenn es doch auch billiger geht?

Nun, zuerst muss man Wissen : Ein Hund ist weder ein Billigprodukt, Sonderangebot, Spielzeug, noch ein Stück, das man in ein Regal stellt. Es ist ein Lebewesen, das genau die gleichen Bedürfnisse hat wie ein Kind. Gut, über das Leben von Kindern reden wir hier nicht.

Zugegeben auch bei einem Züchter haben Sie nicht die Gewähr, dass Sie einen Hund bekommen, der 15 Jahre alt wird. Da spielen nun mal mehr Faktoren eine Rolle. Aber ein VDH - Züchter kann allein schon viele Erbkrankheiten ausschließen. Bei Tieren, die in dunklen Verschlägen geboren wurden, von Müttern die als Gebärmaschinen missbraucht wurden, kann man nicht erwarten, dass sie gesund sind. Die Tierarztkosten können da ganz schnell in die Höhe schießen. Ein vernünftiger Züchter kann Ihnen nicht nur ein Elternteil präsentieren, sondern hat oft Verwandtschaft im Haus, vielleicht auch den Vater. Zumindest kann er Ihnen die "Familienverhältnisse" Ihres zukünftigen Hundes erzählen. Ich lese sehr oft : Welpen aus Hobbyzucht abzugeben, ohne Papiere, daher billiger. Hallo : Die Ahnentafel ist der Personalausweis des Hundes. Wir VDH - Züchter sind alle Hobbyzüchter. Die meisten haben einen Job und machen das als? genau: Hobby! Geld in Massen verdienen ? Noch nie gehört, dass das bei einem Hobby geht. 

Ein verantwortungsvoller Züchter beschäftigt sich nicht mit Dingen : wie spare ich Geld, wie vermehre ich Geld oder wie oft bekomme ich es.

 

Vor der Geburt eines Welpen sitzt, steht oder liegt ein Züchter mit rauchendem Schädel, abgeknabberten Fingernägeln, schlaflosen Nächten, verhundertfachtem Kaffeekonsum, Unmengen Schokolade und Kaugummis, viel verbrauchtem Papier und Kugelschreibern, verlorenen Nerven: auf Stühlen, Sofa oder auf verschiedenen Bodenbelägen. Er macht sich nicht nur Gedanken über die Farbe der Dalmatinerkinder.

Der Züchter, der Nachwuchs von der Hündin möchte, fährt nicht nur ins Nachbarstädtchen weil da ein einigermaßen nettes Kerlchen lebt. Es muss passen.

 

Bevor eine Hündin gedeckt werden kann, muss sie sich erst einiges gefallen lassen. Röntgen, Ausstellungen, Zuchtzulassung, begrapschen von oben nach unten, hinten nach vorne, außen nach innen. Jede Menschenfrau würde vor Gericht ziehen wenn sie das alles vor einer Schwangerschaft durchleben müsste.

Der Züchter muss viele Auflagen erfüllen ( zu Recht ) und auch viel Geld ausgeben. Wie beim Hausbau, das Geld ist schon weg, bevor auch nur irgendetwas sichtbar ist.

 

Haben Züchter und Hündin alles erfüllt, geht es erst richtig los.

Ein Züchter hat im Normalfall ein Ziel im Auge. Gleichzeitig muss und soll er sich an die Richtlinien halten. 

Da wird dann schnell aus vorher ausgesuchten, anfänglich 30 potentiellen Rüden eine Zahl von 8. Bei Nachforschungen tauchen dann Probleme auf wie: Höhe, Länge, Breite, Verwandtschaftsgrad, Zahnfehler, leichte Gelenkschäden und und und. Jetzt passen vielleicht noch 3 Rüden. Am Ende bleibt dann vielleicht nur der eine Rüde übrig, der natürlich 5 Autostunden vom eigenen zu Hause entfernt ist. 

Nach diesen mühevollen Suchen auf Ausstellungen oder im superschnellen Internet ( Ironie aus ) wird dann gemailt, gesimst, gefacebookt, getwittert und manchmal sogar noch telefoniert. Ein vorsichtig ausgerechneter Decktermin ausgemacht und dann gewartet.

Vielleicht treffen sich Hündin und Rüde bereits vorher zu einem Kennenlernspaziergang. Ja, auch ein Spaziergang in strömendem Winterregen auf Wildschweinwegen kann Spaß machen.

 

Ist die Hündin dann "bereit", geht die "Nerven aus dem Körper schmeißen" Geschichte los.

Beim Arbeitgeber melden und sagen: Pech, Chef, ich komme heute nicht, ich muss mit meiner Hündin zum Decken fahren. Weil logisch, das muss immer an unpassenden Tagen sein. Das Auto hat gerade dann Durst und es ist natürlich dann teuer. Das Wetter, gut, lassen wir weg.

Sind Hündin und Besitzer dann irgendwann beim Rüden angekommen, dürfen sich die Hunde dann der Fortpflanzung widmen ( wie der Deckakt funktioniert wird nun nicht beschrieben, es ist Hundeprivat )

Ist das nun auch erledigt, fährt man wieder nach Hause. Die Hündin träumt, Besitzer ist k.o. Meist wiederholt sich dieses Schauspiel 2 Tage später, um sicher zu gehen.

Manchmal ist das Ganze leider umsonst. Die Hündin bleibt leer, alle Seiten sind traurig und das Spiel geht 6 Monate später von vorne los.

 

Ist die Hündin aber wie "geplant" trächtig, gehen die Vorbereitungen nach tierärztlicher Bestätigung los.

Urlaub muss angemeldet und das Welpenhaus vorbereitet werden. Besuche und Feiern für den errechneten Geburtstermin werden abgesagt, andere Termine verschoben. Wurfzimmer und Wurfkiste werden vorbereitet. Futter und anderes Zubehör gekauft, erneuert und bereitgestellt. Die Nachbarn werden informiert ( soweit vorhanden ) und natürlich die Besitzer des Rüden, Interessenten für die Welpen, der Verein / Verband und wenn man es braucht: die Presse.

 

Kurz vor dem Wurftermin wird alles überprüft, ob ja nichts vergessen wurde. Der Blutdruck steigt, die Konzentration sinkt. Gute Laune weicht patzigen Kurzantworten. Obwohl der Fernseher an ist, bekommt man nicht mit, was da gerade läuft. Anrufe ( sind die Babys schon da ?) werden abgewürgt. Handy und Laptop werden aus-, Fotoapparat angeschaltet. Ist der erste Welpe geboren, sitzt man mit feuchten Augen da und hat vor lauter Entzücken vergessen den Auslöser zu drücken.

Nach der Geburt aller Welpen ist fast das gleiche Gefühlskarussell vorhanden wie nach der Menschengeburt ( nur hatte Frau keine Schmerzen ).

Geht aber etwas schief ( nächtlicher TA-Besuch, Kaiserschnitt, tote Welpen und / oder Mutter ), sind alle Seiten nur noch fertig mit der Welt.

Ein Hundevermehrer ist da gelassener, lässt Muttertier und Nachwuchs verr…… und macht mit anderen weiter. Die Welpen werden dann aus dem Kofferraum heraus verscherbelt.

 

In fast allen Fällen spielt Mutter Natur aber mit und Mutter mit Nachwuchs geht es gut. Relativ ruhig und entspannt sind dann die ersten Tage. Sobald aber die Ohren funktionieren und die kleinen Äuglein munter in die Welt sehen, ist es nicht mehr so ruhig. 

Ich weiß Menschen und Tiere soll man nicht vergleichen, ich tue es doch, denn es ähnelt sich alles in der Folgezeit.

Die Säuglingsphase weicht dem Krabbelkind. Aus Krabbelkind wird Kindergarten. Es wird täglich lauter und unruhiger. Die Kleinen spielen, toben, raufen und machen ihre Geschäfte meist, wo sie gerade sind. Wie gut, dass die Putzausbildung bei jedem Züchter Standard ist.

 

Ungefähr ab der 4. Woche ( mal früher, mal später ) ziehen die Welpen in ein umgebautes Garten- oder Welpenhaus um. Hier gibt es viel mehr Platz, mehr Spielzeug, mehr Möglichkeiten zum Lernen und Blödsinn machen. Mama´s Milch ist nur noch Aperitif und Dessert. In das Hundekind kommt nun auch mehr Futter rein, natürlich am anderen Ende auch wieder raus. Die leckeren Entwurmungen finden statt. Die Hundekinder kommen nun in die Grundschule und wollen dementsprechend gefördert und bespaßt werden. Spielzeug wird mal wieder erneuert, Ausflüge organisiert und durchgeführt. Die Besuche und Besucher werden nun auch mehr. Stück für Stück lernen die Kinder alles für ihr späteres Hundeleben.

Die Wurfabnahme, die AEP- Untersuchung ( funktionieren alle Ohren ? ) und die 1. Impfung stehen in der 8. Woche vor der Tür. Ja, die wollen wir auch reinlassen.

 

Und dann kommt der Tag den kein echter Züchter gern hat. Der Tag des Abschieds ist da. Die neuen und hoffentlich tollen Besitzer / Familien möchten ihren Welpen mitnehmen und das Grundschulkind in die nächste Schule und ins Erwachsenenleben begleiten.

 

Diese Investition von Zeit und Liebe eines verantwortungsbewussten Züchters ist nicht mit Geld aufzuwiegen. Auf diese Weise kann man nicht reich werden, kein neues Auto kaufen, kein Haus oder Aktien. Auch für die Altersvorsorge ist eine Hobbyzucht nicht geeignet. Mit Glück kann man etwas zurücklegen, falls der TA doch mal öfter gebraucht wird.

 

Also warum dann der ganze Aufwand ? 

Irgendwann kommt bei Hündinnenbesitzern der Wunsch auf zu züchten, viele verschiedene Gründe sind möglich. Ob ein Nachfolger gesucht wird, oder man einfach die Rasse erhalten möchte, damit es weiterhin gesunde Hunde gibt. Was auch immer.

Aber eigentlich ist es ganz einfach:  Es ist wunderschön !!!